Größe zählt: Winzige Proben – Große Hoffnung für krebskranke Kinder
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 2.200 Kinder an Krebs. Besonders tückisch sind dabei seltene Tumore wie Neuroblastome, Ewingsarkome oder Rhabdomyosarkome (zusammengefasst als „Small Round Blue Cell Tumore“), wenn sie nach der Ersttherapie wiederkehren. Diese Krebsarten erfordern oft personalisierte Therapien, doch die erforderlichen Gewebeproben sind bei Kindern häufig zu klein für moderne Diagnostik und Forschung.
Aktuelle Studienrichtlinien verlangen meist 5-10 mm Gewebe für experimentelle Studien und genetische Analysen – bei kindlichen Biopsien oft kaum realisierbar, so dass eine Studienteilnahme manchmal nicht möglich ist. In einem von FUSE e.V. (https://fuse-hessen.de/) unterstützten Projekt geht das Team um Dr. Elise Gradhand (Dr. Senckenbergische Institut für Pathologie) und PD Dr. Meike Vogler (Institut für Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie) nun der Frage nach: Können bereits winzige Proben von 1-2 mm für die Züchtung von Tumorkulturen und molekulare Diagnostik ausreichen?
Die Hypothese ist vielversprechend, denn diese Tumore bestehen aus extrem dicht gepackten, DNA-reichen Zellen. Sollte sie sich bestätigen, könnte dies die Erforschung seltener Kinderkrebsarten revolutionieren. Seit 2020 hat das Team bereits eine einzigartige Biobank mit über 50 Kinderkrebs-Zellkulturen aufgebaut. Nun vergleichen sie systematisch Probengrößen zwischen 1-5 mm im Rahmen dieser Studie, die in enger Zusammenarbeit mit dem Dr. Senckenbergischen Institut für Pathologie (Direktion: Prof. Dr. med. P.J. Wild) und dem Institut für Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie (Direktion: Prof. Dr. D. Heckl) durchgeführt wird.
Die Ergebnisse könnten den Zugang zu moderner Diagnostik für krebskranke Kinder deutlich verbessern: Mehr Kinder könnten von zielgerichteten Therapien profitieren, die gezielt Krebszellen angreifen und gleichzeitig geringere Spätfolgen haben. Selbst wenn nur ein Teil der bisherigen ‚zu kleinen‘ Proben nutzbar würde, wäre das ein Meilenstein für betroffene Familien. Die Studie verspricht einen wichtigen Schritt im Kampf gegen
Kinderkrebserkrankungen, die nicht von der Standard Ersttherapie geheilt werden können – ganz ohne Kompromisse bei der Diagnosesicherheit.
Foto (v.l.): Dr. Elise Gradhand (Dr. Senckenbergische Institut für Pathologie) und PD Dr. Meike Vogler (Institut für Experimentelle Pädiatrische Hämatologie und Onkologie)
